In der Vorweihnachtszeit von Haus zu Haus
gegangen
Erste Wiederweihe einer Orgel in Mecklenburg im neuen
Jahr: In Volkenshagen am 7. Januar 2006
Genau zwei Jahre ist es her, dass die Kirchgemeinde
Volkenshagen bei Rostock nach vierjähriger Sanierung ihre Kirche
wieder in Besitz nehmen konnte. Aber das I-Tüpfelchen fehlte noch:
Die Orgel. Doch auch das ist bald geschafft: Am 7. Januar wird sie wieder
erklingen! Oberkirchenrat Andreas Flade wird sie um 14 Uhr wieder einweihen.
KMD Joachim Vetter von St. Marien Rostock wird die Orgel vorführen
und um 16 Uhr wird zu einem Konzert für Orgel (Joachim Vetter) und
Chor mit der Marienkantorei Ribnitz unter Leitung von Kantor Hartmut Zilch
eingeladen.
Das Gehäuse wurde im Dezember von der Firma Mecklenburger Orgelbau
aus Plau am See eingebaut. Die Orgel hat nun einen neuen Platz in der
Kirche gefunden. In der ehemalige großherzoglichen Loge. Diese Nische
ist so, als wäre die Orgel eigentlich für sie gebaut worden,
freut sich Kirchenältester Dr. Dietrich Mühlenbruch, der auch
Vorsitzender des 1998 gegründeten Fördervereins ist.
An ihrem ehemaligen Standort auf der Empore wurde die Winterkirche eingebaut,
darunter ist ein Gemeinderaum entstanden.
Die Orgel war einmanualig 1862 von Lütkemüller erbaut worden.
Börger hat sie 1930 mit einer pneumatischen Steuerung umgebaut. Der
Spieltisch wurde damals an die Seite versetzt. Jetzt ist er wieder vor
der Orgel, so wie es Lütkemüller einmal gemacht hat.
Große Spendenbereitschaft
55 000 Euro hat die Restaurierung gekostet. 22 000 Euro davon sind Spenden
- und das in einer Kirchgemeinde, die nur rund 220 Mitglieder hat. "Wir
drei Kirchenältesten sind in der Vorweihnachtszeit vor zwei Jahren
in den drei Dörfern Mönchhagen, Vogtshagen und Volkenshagen,
die alle drei zu unserer Kirchgemeinde gehören., von Haus zu Haus
gezogen, egal ob Kirchenmitglied oder nicht", erzählt Mühlenbruch.
"Mit jedem einzelnen haben wir geredet." Es gab auch einige,
die gesagt haben, damit haben wir nichts zu tun, "damit muss man
leben. Aber das waren nur ganz wenige. Oft gab es 100 oder 50 Euro."
Mühlenbruch ist sich sicher: Die Spendenbereitschaft ist groß.
Aber es reicht nicht ein Brief - man muss zu den Menschen hingehen, mit
ihnen reden. Das braucht Zeit. Eine Stunde für jeden mussten meist
eingeplant werden.
Es gab auch fünf Großspenden. Dann gibt es in Volkenshagen
des öfteren Familienfeiern, zum Beispiel ließ sich ein junges
Paar aus Hamburg in der schönen restaurierten Volkenshäger Kirche
trauen, Taufen fanden statt - und immer wurde für die Orgel gesammelt.
"Es hat sich schon herum gesprochen, was für eine schöne
Kirche wir haben", freut sich Mühlenbruch. 2004 gab der Rostocker
Motettenchor ein Konzert in der Kirche - auch das brachte einiges ein.
Die weitere Finanzierung wurde über Patronatsmittel (15 000), Landesamt
für Denkmalpflege (9 000) und die Landeskirche (9 000) abgedeckt.
Wie man als kleine Kirchgemeinde an Geld kommt, hatten die Volkenshäger
schon bei der Restaurierung der Kirche geprobt. Die 17 Mitglieder des
1998 gegründeten Fördervereins waren auch schon um die Jahrtausendwende
von Haus zu Haus gezogen und hatten so 50 000 Euro gesammelt. Die Kirchensanierung
hatte rund 200 000 Euro gekostet.
Foto und Text: Marion Wulf-Nixdorf
aus Mecklenburgische & Pommersche Kirchenzeitung Nr.1/2006 |